07.02.2010
Der Renault F1 Geschäftsführende Direktor Bob Bell möchte das französische Formel 1 Team ab der zweiten Hälfte der diesjährigen F1 Saison 2010 regelmässig auf dem Podium sehen. Dies verrät Bell im Interview, indem er ebenfalls über das neue Management des Renault F1 Teams, die Verbesserungen am neuen Renault R30 und ihren neuen Fahrer für 2010, Robert Kubica, spricht.
Bob, das Renault F1 Team blickt der neuen Formel 1 Saison erwartungsvoll entgegen. Welche Aufgabe haben Sie innerhalb des neu strukturierten Managements übernommen? Bob Bell: "Als Geschäftsführender Direktor konzentriere ich mich auf die tagtägliche Leitung des Chassis-Workshops in Enstone. Und es stimmt: Das ganze Team freut sich auf die bevorstehenden Herausforderungen in diesem und den kommenden Jahren. Ich bin sehr zuversichtlich, dass unser Rennstall mit seiner neuen Struktur über die besten Voraussetzungen verfügt, diese Aufgaben erfolgreich zu lösen."
Auf welche Bereiche hat sich Renault konzentriert, um seine Konkurrenzfähigkeit zu verbessern? Bell:"Die Probleme, vor denen wir im vergangenen Jahr mit dem R29 standen, beruhten im Großen und Ganzen auf der Aerodynamik: Es mangelte uns im Vergleich zu unseren Wettbewerbern an Abtrieb. Um diese Schwachstelle auszumerzen, haben wir über den Winter unseren Windkanal modernisiert und gute Fortschritte bei der Anwendung unserer CFD-Anlage erzielt. Wir wissen, dass wir einen Rückstand aufholen müssen. Bis dato konnten wir im Windkanal alle unsere Ziele nicht nur erreichen, sondern übertreffen. Aus diesem Grund blicke ich dem neuen Renault R30 optimistisch entgegen; er sollte vom Fleck weg sehr schnell sein. Wir möchten kein weiteres Jahr damit verbringen, unsere Konkurrenten vor uns herzujagen."
Bob Bell über Renault F1 Pilot Robert Kubica: "Er ist enorm hungrig auf Erfolg"
Erzählen Sie uns mehr über die Modifikationen des Windkanals. Bell:"Das Laufband, auf dem die Aerodynamik-Modelle rollen, war etwas in die Jahre gekommen. Deshalb entschieden wir uns dafür, es durch ein Metallband zu ersetzen und damit den Rückstand zu unseren Kontrahenten wieder aufzuholen. Wir mussten die Anlage für den Umbau zwar für einen Monat schließen, ursprünglich aber waren hierfür sechs Wochen veranschlagt. Dennoch hat sich der Aufwand gelohnt: Fortan können wir 60-Prozent-Modelle statt solche im Maßstab 1:2 testen, auch die Geschwindigkeit des beweglichen Untergrunds stieg auf nunmehr 50 Meter pro Sekunde. Hinzu kommt, dass das neue Laufband wesentlich zuverlässiger und wartungsfreier funktioniert. Dies führt zu präziseren Ergebnissen und optimiert die Effizienz, mit der wir die Anlage nutzen können. Den Ausfall des Windkanals konnten wir zudem durch die intensivere Nutzung unserer CFD-Systeme gut überbrücken."
Wie schätzen Sie Robert Kubica ein – was wird Ihr neuer Formel 1 Pilot dem Renault F1 Team bringen? Bell:"Mit Robert (Kubica) zieht eine neue Dynamik in das Team ein, das am Beginn einer neuen Ära steht. Er ist als Fahrer auf dem Weg nach oben und enorm hungrig auf Erfolg, dieser frische Schwung treibt uns an. Ich erinnere mich gut daran, als Fernando Alonso erstmals die Bühne betrat – mir war von Beginn an klar, dass er ein Ausnahmetalent ist. Genau das gleiche Gefühl verbinde ich mit Robert. Sehen Sie nur, was er bis heute bereits erreicht hat. Noch ist er kein Weltmeister, aber ich zweifele nicht im Geringsten an seinem Potenzial, in die Fußstapfen von Fernando treten und ein Champion werden zu können. Und ich hoffe, dass ihm dies gemeinsam mit Renault gelingt."
Vor dem Saisonstart: Auf welcher Position innerhalb der Hackordnung unter den Teams erwarten Sie Renault F1? Bell:"Im Gegensatz zum Vorjahr, als alle Rennställe mit kompletten Neuentwicklungen an den Start gingen, können wir jetzt die Konkurrenzfähigkeit unserer Wettbewerber definitiv besser einschätzen. Dies erleichtert es uns natürlich, realistische Ziele zu setzen. Wir sollten uns zu Beginn der Saison im vorderen Mittelfeld wiederfinden. Angesichts der zur Verfügung stehenden Ressourcen können wir aber ein so hohes Entwicklungstempo einschlagen, dass wir rasch aufholen – zum Beispiel dank des modernisierten Windkanals. Wenn dies alles zusammenpasst, sollten wir in der zweiten Saisonhälfte regelmäßig um Podestplatzierungen kämpfen. Dies wäre die perfekte Ausgangsposition für einen Angriff auf den Titel im Jahr 2011."